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Song-Poetin mit Charme und Angriffslust
rav / 12.03.2012 / Weinheimer Nachrichten
Weinheim. Nachdem Pe Werner mit Bravorufen und minutenlangem, stehenden Applaus gefeiert wird, singt sie schließlich das Lied, auf das wohl viele Zuschauer, dem verzückten "Ah" nach zu urteilen, gewartet haben. Es ist der Song, der vom Sterben einer Liebe erzählt und gleichzeitig eine besondere Beziehung zu Weinheim besitzt. Es ist 20 Jahre her, seit die Wahl-Kölnerin, die ihre Kindheit im Odenwald verbracht hat, ihre Ballade "Kribbeln im Bauch" als Uraufführung auf der Bühne des damaligen Weinheimer Kleinkunstkellers "Villa" präsentierte.
Das Kribbeln schenkt Pe Werner ihrem Publikum ohnehin zwei Stunden lang an diesem Abend in der Stadthalle. Die 51-jährige quirlige Rothaarige vertritt das längst ausgestorbene Genre der "Diseuse", die im Kabarett der Nachkriegszeit mit frechen Liedern und Couplets ihr Publikum provozierte. Dabei verkörpert Pe Werner eher den modernen Typ "Chansonnette", der, ohne den angestaubten Gestus der Hinterhaus-Göre, seine Lyriks mit Charme, Witz, Angriffslust und nicht zuletzt mit ihrer kraftvollen Stimme interpretiert.
Im Laufe des Abends entfaltet sie die gesamte Skala ihrer Weiblichkeit, rekelt sich verführerisch auf dem Flügel und stürzt ihren Pianisten Peter Grabinger von einer Verlegenheit in die nächste, wenn sie seine schlanken Finger bewundert und sich wünscht, mit ihm mal so richtig "zu schuhbecken oder zu mälzern", denn kochen kann sie nicht, erzählt sie, dafür isst sie um so lieber. "Ich war nie eine Suppenkasperin" und im Hinblick auf ein paar Pfunde mehr auf den Hüften, singt sie "Der Mond ist rund, ich bin es auch".
Sie ist witzig und klug, veralbert sich selbst und setzt dabei ihre Pointen ohne Süffisanz. Vor allem die weiblichen Zuschauer erkennen sich wieder, nicken zustimmend mit dem Kopf, wobei ihr die Männer im Publikum ohnehin spürbar zu Füße liegen. "Turteltaub" heißt ihr neues Album, bei dem es vor allem um die Zeit geht, in der Paare aufhören zu turteln und es beim Sex heißt: "Schatz bedien´ Dich, Du weißt ja, wo alles liegt". Das löst ausgelassene Heiterkeit im Publikum aus und wechselt augenblicklich in Nachdenklichkeit, als Pe Werner ihre wunderschöne, von wehmütigen Cello-Klängen begleitete Ballade singt "Und da war der Mond in ihren Augen". Große Gefühle des Verliebtseins treffen hier mitten ins Herz.
Während viele noch verträumt die Augen schließen, schreckt sie das "Weibsbild" mit greller Stimme auf, singt von "diesen Liebespärchen", die sich überall wie Seuchen ausbreiten. "Das ist, wie vor einer Schwarzwälder Kirschtorte sitzen und dabei denken, ich darf nicht". Aber halt, "man muss auch gönnen können". Dazwischen plaudert sie von ihrer ersten Liebe, als es noch Wählscheiben an orangefarbenen Telefonen gab und die Badezimmer "wellensittichkackegrüne" Fliesen hatten. Auf ihre "Drei von der Klangstelle", wie Pe Werner die Musiker an ihrer Seite liebevoll nennt, ist sie besonders stolz, kann sie auch, denn ihr "Trio Deluxe" besteht aus erstklassigen Instrumentalisten. Mit den "Ungarischen Tänzen" von Brahms zeigen Peter Graber am Flügel, Adam Zolynski (Violine) und Martin Bentz (Cello), dass sie eigentlich in der Klassik zu Hause sind. Überhaupt lebt das umjubelte Konzert von seinen Kontrasten und Überraschungen. Dazu gehört auch, dass der kleine, bebrillte Mann am Mischpult plötzlich zum Mikro greift und sich mit einem unglaublichen Stimmvolumen als Duett-Partner der Song-Poetin dort oben entpuppt.
Aber damit nicht genug, dieser Pit Lenz überlässt die Tontechnik vorübergehend einem Vertreter, rennt auf die Bühne, verrenkt den Körper, als er, begleitet von Peter Grabinger am Flügel, eine geradezu begnadete Bluesharp spielt. Kein Wunder also, dass der gekonnt in Szene gesetzte Facettenreichtum aus Poesie, Satire und enormer Musikalität so enthusiastisch gefeiert wird. rav
Rampensau auf Wolke 7
co / 10.11.2011 / Der Patriot - Lippstädter Zeitung
LIPPSTADT - Minutenlange Standing Ovations und ein vor Begeisterung lautstark johlendes Publikum, das sich die Finger beinahe wund applaudiert — solch einen Schlussapplaus gibt es selten im Stadttheater. Was ist da los? Kurz und knapp: Frau Werner ist da. Pe Werner, um ganz genau zu sein. Und von dieser Künstlerin kann man mit Fug und Recht behaupten: Sie ist eine 1A-Rampensau.
Wer Pe Werner nur mit dem berühmt-berüchtigten „Kribbeln im Bauch“ verbindet und sie noch nie live und in Farbe erlebte, der hat zweifelsohne etwas verpasst. Das hiesige Publikum jedoch verpasste nichts und kam zum jüngsten Programm mit dem verheißungsvollen Titel „Turteltaub“, gleich scharenweise ins Stadttheater.
Bühne frei, schon kommen Peter Grabinger (Piano), Adam Zolynski (Geige) und Martin Bentz (Cello). Feierlich-getragen spielen sie den „Hochzeitsmarsch“. In rotem Lack stiefelt Pe Werner an. Ansonsten ist sie ganz in Weiß, eine waschechte Braut: „Keine Angst, das ist heute nicht Bauer sucht Frau. Ich wollte mich nur für sie aufhübschen“, lacht die Künstlerin ins Publikum. Und dann legt die Dame los, singt vom Liebesleid, vom Liebesglück, vom Hafen der Ehe, der so manche schnurstracks von Wolke 7 runter in den Waschkeller befördert.
Ihr Publikum jedoch befördert Pe Werner ohne Umwege auf besagte Wolke 7, und es bleibt dort auch glückselig lächelnd für die Dauer des Konzertes. Kein Wunder, denn die Sängerin und ihre erstklassigen Musiker haben einiges zu bieten. Sanftweiche Balladen folgen Liedern voller Swing und Pfiff, die Show wird zu einer Achterbahnfahrt der Gefühle. Denn egal, was die Werner auch singt — sie singt sich irgendwie immer unter die Haut. Ihre Stimme ist auf der Tonleiter einfach zu Hause und von unglaublicher Ausdruckskraft und Wandlungsfähigkeit.
Bei flotten Liedern voller Swing und Pfiff wie „Der Onkel Doktor hat gesagt ich darf nicht küssen“ oder „Prima essen gehen“ schnippt so mancher im Saal nur allzu gerne mit und bei gefühlvollen Balladen wie „Mond aus Papier“ oder „Trommler in der Brust“, wird es dem Publikum geradezu „turteltaubig“ rund um die Herzgegend.
Einige schließen verträumt die Augen und genießen nur. Doch halt! Aufgepasst und Augen auf. Denn die Show sollte man mit allen Sinnen erleben. Die Bühnenpräsenz der Sängerin ist schlichtweg unglaublich. Mal hüpft sie ausgelassen über die Bühne „Jetzt müssen sie sich das komplette NDR-Fernsehballett im rosa Tüll vorstellen“, dann räkelt sie sich auf dem Klavier und streckt dem Pianist ihr Dekolleté entgegen.
Und dazwischen plaudert sie munter los von Pril-Blümchen, Laternenumzügen in Wuppertal oder dem „wellensittichkackegrünen“ Badezimmer ihrer Kindheit. Großartig und umwerfend komisch ist auch ihre ganz spezielle Interpretation des Mary Roos’ Titels „Aufrecht gehn“. Leicht lallend, mit Schnapsflasche im Anschlag torkelt Pe Werner daher und das Publikum ist derartig hingerissen, dass es sich ohne Zögern gerne zum Mitsingen animieren lässt.
Pe Werner bedankt sich auf ihre Art für derlei Begeisterung: Mit einem langen Zugabenteil und dem Brautstrauß, der am Schluss der Konzertes ins Publikum fliegt. - co
Pe Werner sorgte für Bauchkribbeln
ard / 13.07.11 / Saarbrücker Zeitung
Frech, charmant und unterhaltsam war der Auftritt von Pe Werner auf der Sommeralm in Reden. Mit ihren teils bissigen, teils romantischen Liedern begeisterte sie über 3000 Fans.
Ein besonderes Bauchkribbeln erlebten am Montagabend 3000 Besucher der SR 3-Sommeralm in Landsweiler-Reden. Pe Werner begeisterte ihr Publikum mit einem charmant- koketten Auftritt im weißen Brautkleid und Alm-tauglichen Tigerstiefeletten. Frech, provokant und wortgewandt waren die Lieder der Heidelberger Songpoetin aus ihrem Programm "Pe-Dur" mit Flügel und Streicher.
Gänsehautfeeling war den Fans garantiert, als sie mit ihrem Song "Dieses Kribbeln im Bauch" die verliebten Paare unter dem Publikum ausmachte und ihnen charmante Blicke zuwarf. Gleich darauf machte sie den "blauäugigen" Männern, deren Hirn gerade mit "rosarotem Brei" gefüllt ist klar, dass "Weibsbilder" durchaus gefährlich sind. Opfer ihrer Laissez-faire-artigen Verführungskünste wurde der Mann am Klavier, Peter Grabinger.
Gekonnt räkelte sie sich auf dem Flügel und versuchte, den Pianisten zu verführen: "Ich kann leider nicht kochen, aber wir könnten etwas bestellen - beim Inder." Dann eine kurze Pause. "Ich weiß zwar nicht was Kamasutra ist, aber ich hoffe es schmeckt". Oder chinesisch. "Dann zeige ich ihm meine 21 Kostbarkeiten." Immer wieder gelang Pe Werner der Sprung von der tiefen Poesie ihrer Liebeslieder in die normale Alltagswelt.
Viele Fans nutzten die Gelegenheit, ihrer "Pe" auf der Haldenbühne so richtig nahe zu kommen. Ein großer Fan ist Anette Wolf aus Völklingen. "Ich bin total begeistert von ihr und von der Atmosphäre auf der Sommeralm. Ich bin gerne den Berg hoch gekraxelt, um live dabei sein zu können."
Zum Abschluss interpretierte Pe Werner das Lied "Aufrecht geh'n" von Mary Roos, mimte dabei eine Betrunkene. Zuerst landete ein Weinglas vor dem Publikum auf dem Boden, dann "begoss" Pe die Fans, die zu nahe standen, aus einer Flasche - inklusive des Kameramanns, der nicht schnell genug reagieren konnte. Im Kontrast dazu stand der Auftritt des "musikalischen Sommeralm-Quartetts" mit dem Alm-Ebi, Schorsch Seitz, Pe Werner und der Landrätin Cornelia Hoffmann-Bethscheider. Zusammen schmetterten sie das Sommeralm Lied "Morjns gehts ruff un ohmends ronner". ard
Hintergrund
Wie Pe Werner auf der SR 3 Sommeralm versicherte, kommt sie gerne ins Saarland. Die 1960 in Heidelberg geborene Künstlerin wird von den Kritikern oft als "Songpoetin" beschrieben. 11 Alben hat sie bisher produziert und wurde mehrfach mit verschiedenen Musikpreisen ausgezeichnet. So erhielt sie bereits 1992 den "Echo" als beste nationale Künstlerin. 2011 erhielt sie für ihr Album "Im Mondrausch" die Goldene Schallplatte.
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Wortkaskaden wie Kirschkerne ausgespuckt
Ulrike Le Bars / 22.06.11 / Badische Zeitung
Pe Werner zelebriert beim zweiten Gengenbacher Kultursommerevent einen furiosen Auftritt mit alten Gassenhauern.
GENGENBACH. Mit ihrem annähernd zweistündigen, spritzig-frechen Non-Stop-Programm hat Powerfrau Pe Werner am Sonntagabend in der nahezu ausverkauften Gengenbacher Stadthalle am Nollen für jede Menge Kribbeln gesorgt und dafür immer wieder Szenenapplaus sowie stehende Ovationen am Schluss eingeheimst. Als ebenbürtiger musikalischer Begleiter hat Peter Grabinger am Piano überzeugt.
Dass diese Frau ein ganz ausgekochtes Weibsbild ist, darauf war man ja schon vor dem Konzert gefasst. Bringt sie doch seit Jahren alles andere als gefällige Popsöngchen auf den Markt, sondern neigt eher dazu, auch mal mit der Text-Keule auszuholen und zum Rundumschlag anzusetzen gegen abgestandene Beziehungs-Kisten, oberflächliches Etepetete-Gehabe, soziale Ungerechtigkeiten und ähnliches Ungemach. Für so manch frauentypische Seelenpein hatte sie auch die passenden Trostpflastersteine auf Lager. Welche Risiken und Nebenwirkungen es aber in sich birgt, sie nicht nur als äußerst vielseitige Sängerin, sondern auch als talentierte Schauspielerin live auf der Bühne zu erleben – Stimmungs-Doping mit der Gefahr kollektiver Lachkrämpfe, Kontroll-Verlust, hemmungsloses Mitsingen beispielsweise – , davon hatten wohl die wenigsten Besucher im Voraus auch nur die leiseste Ahnung. Zumal auch der Titel des Programms "Eine Nacht voller Seligkeit" das Publikum zunächst kräftig an der Nase herumführt: Wer dahinter zuckersüß-klebrige, sämig ins Ohr rinnende, vor Verliebtheit strotzende Säuseleien vermutet, dem wird schon bei den ersten paar Stücken klar, dass Pe Werner darunter etwas völlig anderes versteht.
Da ist es ein rasantes Vergnügen, ihr dabei zuzuhören, wie sie Wortkaskaden lässig wie Kirschkerne aus dem Mund spuckt. Rotzfrech, prickelnd, schamlos, naiv, aufreizend, unflätig – jedes Mal so, wie es zu den Liedern passt, die sie drum herumgebaut hat. Und das sind beileibe nicht nur die bekannten Gassenhauer und Evergreens vergangener Zeiten wie "Die Männer sind alle Verbrecher", "Bel Ami", oder "Komm’ ein bisschen mit nach Italien", die sie teils im Duett mit Peter Grabinger sowie teils unter interaktiver Beteiligung des Publikums vorträgt.
Was Pe Werner da zusammengestellt hat, ist ein gnadenlos witziger gespielter und gesungener Durchmarsch durch exakt die Jahrzehnte der (aus heutiger Sicht zugegeben oft lächerlich seichten) Schlager- und Zeitgeschichte, die auch das Publikum am eigenen Leib erlebt hat. Ob Hitparade, Werbeslogans, Familien-Idylle, Wirtschaftswunder oder Kultautos – alles und jedes bekommt sein ironisches Fett ab. Auch vor einer Abrechnung mit der Nazizeit macht Werner nicht halt und bringt damit für ein paar Momente nachdenkliche Stille in den Saal.
Als letzte Zugabe nach knapp zwei Stunden vergnügter Unterhaltung durfte dann natürlich der Song nicht fehlen, der auf dem Ticket mit dem Motto "Gengenbach kribbelt" schon angekündigt war und mit dem Pe Werner den Durchbruch als Künstlerin geschafft hatte: "Kribbeln im Bauch".
Beklemmende Lebensnähe
12.02.11 / Allgemeine Zeitung, Mainz
KABARETT Pe Werner überzeugt im SWR-Foyer mit Hirn, Charme und Synkope
(cop). Wer bei Kabarettvorführungen entnervt an pseudointellektuelles Pointengehechel und politisches Parolengedresche denkt, wäre am Donnerstagabend im Foyer des SWR-Funkhauses von einem großen und ärgerlichen Vorurteil befreit worden: Es lebt noch, das Kabarett mit Hirn, Charme und Synkope. Poesie statt Politgezeter, Musik statt Mischpoke, Turtelei statt Tendenz. Mondanbeterin Pe Werner - als Songwriterin und Popsängerin unter anderem mit dem German Jazz Award ausgezeichnet - und ihr Pianist Peter Grabinger sowie Adam Zolynski (Violine) und Martin Bentz (Cello) vom Hamburger Streichensemble „Strings De Luxe“ erfüllten das randvolle Foyer mit swingenden, nachdenklichen, traurigen, poppigen und rockigen Klängen.
Die Songs und Balladen Werners erinnern teilweise an die Chansons vergangener Zeiten von Kreisler und Ogerman, ohne sie aber stilistisch zu kopieren. Werner schuf eine Art Revival des Evergreens unter modernen Vorzeichen. Vom Latin-rockigen „Weibsbilder“ bis zur melancholischen Reminiszenz-Ballade „Der Mond ist aus Papier“: Die Zuhörer fühlten sich in einem Gefühlsbad zwischen amüsierter Begeisterung über den Powersound, der sich bei fetzigen Schlagern aus Werners Stimme speiste und nicht auf Schlagzeugbegleitung und schon gar nicht auf schrille E-Gitarren-Klänge angewiesen war, und gerührtem Erstaunen über den poetischen Tiefgang ihrer Balladen, die noch dazu ausnahmslos eine herzzerreißende und beklemmende Lebensnähe auszeichnete.
Beim Requiem „Vater Morgana“ sah man im Publikum vereinzeltes Augenreiben, während die betrunkene Groteske „Aufrecht geh’n“ kollektives Lachen erzeugte. Dabei herrschte in den Thematiken eine ähnlich hohe Diversität, wie man sie im Gefühlsleben einer erfahrenen Endvierzigerin vermuten würde: Partnersuche, Liebeslust, Trennungsschmerz, Kindheitserinnerung, Abschied, Sehnsucht, Frustration. Zusätzliche Stärken, wie das flexible Umgruppieren und -funktionieren der Instrumentalbegleitung bei A-capella-Stücken, die charmante und noch dazu natürlich wirkende Bühnenpräsenz Pe Werners erklären die Resonanz der Gruppe.

Eine, die alles
Sabine Rakitin / 29.04.10 / moz
Eberswalde (MOZ) Swing, Blues, Klassik, Chanson, Pop - Pe Werner, Jahrgang 1960, kann alles singen. Das wissen die, die am Mittwoch ins Eberswalder Sparkassen-Forum gekommen sind. Die meisten sind treue Fans - spätestens seit Pe Werner mit "Kribbeln im Bauch" vor 19 Jahren den Durchbruch schaffte.
Ihr neues Album heißt "Im Mondrausch". Mit dem war sie in den vergangenen Wochen auf Tour, in Hamburg und Gera und Düsseldorf - und jetzt ist sie, als krönender Abschluss, in Eberswalde. Das erste Mal, sagt sie. Und noch nie habe sie in einer Sparkasse gesungen. Doch das hat sie mit vielen ihrer Berufskollegen gemein, die sich in den vergangenen Jahren für "Musik nach Kassenschluss" verpflichten ließen.
Was sie heraushebt unter den vielen Talentierten in diesem Land ist neben ihrer Stimme, die Art, wie sie sich auf der Bühne gibt: humorvoll, witzig, charismatisch, charmant. Und es sind die Texte ihrer Lieder, die sie unverwechselbar machen. Pe Werner erzählt Geschichten, in denen sich der Zuhörer wiedererkennt, die er so oder ähnlich selbst schon mal erlebt hat.
Wenn sie in "Mondscheinleasing" beschreibt: "Ich hab den Mond gebucht/schöne Wäsche ausgesucht/für diese potenzielle Liebesnacht. Die beste Freundin hat mich für das Date gebrieft/jetzt sitzt du hier/in ein Buch vertieft", entbehrt das nicht einer gewissen Situationskomik. Wenn sie in "Der Mond in ihren Augen" davon erzählt, wie keine (r) davor gefeilt ist, sich zu verlieben - jeder Ehe, jeder langjährigen Beziehung zum Trotz, dann zeugt das mindestens von Lebensweisheit.
Swing, Blues, Klassik, Chanson, Pop - Pe Werner kann alles singen. Die Eberswalder bescheinigten ihr das am Mittwochabend mit herzlichem Applaus und Zugabe-Rufen.
Donnerstag, 29. April 2010 (20:27)
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Im Mondrausch mit Pe Werner im Geraer Comma
Elke Lier / 12.04.10 / OTZ
Für Pe Werner braucht man keine Werbung mehr zu machen. Die Künstlerin zieht viele Fans an. So auch zu den Sogtagen in Gera. Im Comma wird sie gefeiert von einem begeisterten Publikum
Gera. Wie man über zwei Stunden lang variantenreich den Mond besingen kann das stellten am Sonnabend die Sängerin Pe Werner und ihre Band unter Beweis. Im Mondrausch, so der Titel ihres jüngsten Albums, das den Abend neben bekannten Songs wie So ein Kribbeln im Bauch und Adaptionen dominierte, begleitete sie ein begeistertes Publikum im Comma-Saal.
Sie gehört zu den Songtage-Künstlern, die keine Werbung brauchen. Ihre Musik mit den guten Texten läuft bei mir ständig, heute erlebe ich sie endlich live, freute sich Marina Preuß aus St. Gangloff. Auf der Internet-Suche nach einem Geburtstagsgeschenk für seine Frau, das nur ein Pe Werner-Konzert sein konnte, stieß der Ehemann von Birgit Kaminski, Richterin aus Leipzig, auf die Songtage in Gera: Heute gönne ich mir die Werner, die ist so richtig was für uns Weibsbilder, meinte die temperamentvolle Vertreterin von Justizia. Still dagegen das Kompliment der 16-jährigen Maria Junge aus Rohna: Sie ist für mich Deutschlands beste Liedermacherin. Ihr Lied Leben auf Rädern berührt mich besonders. Am Ende des Konzerts rollt Maria in ihrem Rollstuhl zur Bühne und bedankt sich bei Pe Werner. Die hat gegen 23 Uhr ein Non-Stop-Programm hinter sich, in dem sie souverän zwischen Pop, Klassik, Jazz und Chanson wechselte. Ob als zarte Naturbeschreibung das Claudius- Gedicht Der Mond ist aufgegangendas Publikum inne halten ließ oder es mit dem Säufermond betroffen machte Pe Werner beherrschte alle Tonlagen, begleitet von einer virtuosen Band mit erstmals drei Streichern. Eine Viertel Stunde Dacapos belohnten den Mondrausch.
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Wo es vor Monden wimmelt
17.11.2009 - MAINZ
Von Oliver Kreft
FRANKFURTER HOF Sängerin Pe Werner beeindruckt mit elegantem Auftritt
Pe Werner Reloaded: Das, was die Sängerin 2009 auf die Bühne bringt, wirkt wie ein Anti-Depressivum und Stresshemmer. Die Songs ihres aktuellen Albums sind gewürzt mit sanfter, teils jazziger, teils souliger Note, tragen Elemente des Chansons, der Klassik und des Pop in sich und berühren das Herz und streicheln die Seele.
"Pe Werner 2.0" würde man das Stimmphänomen nach seiner Transformation im Sprachduktus des Worldwideweb wohl nennen. Denn mit der jungen Göre, die sich vor 18Jahren mit "Kribbeln im Bauch" ins kollektive Bewusstsein der Hitparadenfreunde brannte, hat die Sängerin nach Außen nicht mehr viel gemein. Sie ist gereift und präsentiert sich vor vollen Rängen im Frankfurter Hof als Grande Dame. Im Abendkleid wird die 49-jährige flankiert von mehreren Herren im Smoking - die Eleganz hält Einzug.
Neben der Standardbesetzung (Drums, Kontrabass, E-Gitarre und Piano) sind die "Strings DeLuxe" mit dabei. Was wie Nobelunterwäsche klingt, ist in Wirklichkeit ein brillant aufspielendes Streicherquartett. Über der Bühne prangt leuchtend der Vollmond: Pe Werner hat dem lunaren Himmelskörper ihre letzten beiden Alben gewidmet. In ihrer schwülstig schönen Songpoesie wird der Mond mal zum erotischen Lover, mal zum unwiderstehlichen Don Juan und mal zum Seelenfänger. Es werde "nur so vor Monden wimmeln" in ihren Liedern, stimmt sie das Publikum ein. "Ich weiß, wenn der mal sagt, Schatz, ich gehe mal eben Zigaretten holen, ich weiß der kommt wieder."
Sich auf dem Flügel räkelnd mimt sie die Mannstolle, die ihren Tastenmann unverblümt anschmachtet, während dieser zu einem furiosen Solo ansetzt. Torkelnd gibt sie den Song "Säufermond" zum Besten und mit viel Verve das Lied "Vollmondgesicht". Begeisterungsstürme erntet Pe Werner für ein Mond-Medley, in dem sie Stings "Moon over Bourbon" genauso einfließen lässt wie "Fly me to the Moon" von Bart Howard oder Rio Reisers "Junimond". Natürlich präsentiert sie auch "Kribbeln im Bauch", und selbstredend ist es eine Version, die zwar ihre rockige Energie eingebüßt hat dafür aber mehr Sinnlichkeit transportiert. In einem wahrhaft magischen Moment lässt Pe Werner die Saitenvirtuosen von der Leine: Die servieren ein Potpourri aus Versatzstücken von Barock bis Pop. Ein weiteres Mal werden die Ohren der Zuschauer hofiert, und längst ist klar: Pe Werner 2.0 ist eine Erfolgsgeschichte.